T. C. Boyle - A digital scrap-book about "The Tortilla Curtain"
Zur deutschen Ausgabe "América" (Hanser Verlag)
- T.C. Boyle, América - Das Interview
- (© Hanser-Verlag)
- "Der Titel geht auf eine gebräuchliche Bezeichnung für die mexikanische
- Grenze, den Tortilla Curtain, zurück. Es gab den eisernen Vorhang, der in
- unserer Vorstellung undurchlässig war. Wir haben ihn vor Augen, wie er
- ganz Osteuropa abgegrenzt hat. In China haben wir den sogenannten
- Bambusvorhang, der meiner Meinung nach nicht so undurchlässig ist wie
- der eiserne. Der Tortilla Curtain ist ein Stacheldraht, in dem einige schlaffe
- Tortillas hängen."
- Mauern, Zäune, Grenzen
- "Die alles bewegende Frage bei all diesen Grenz-Metaphern, die sich im
- Buch finden, ist: Was oder wen zäunen wir denn überhaupt ein? Gehört uns wirklich, was wir zu besitzen glauben? Haben wir das Recht, andere -
- wörtlich - auszugrenzen? Sind wir verpflichtet, Leuten zu helfen,die diese
- Grenzen überwinden? Wie kommt es, daß es Amerikanern so unglaublich
- gut geht und anderen dagegen nicht? All diese Fragen, denke ich, kommen
- in meinem Buch vor, das meine Sicht auf die gegenwärtige Asyldebatte
- darstellt. Mein Buch zeigt, daß wir alle zur selben Species gehören und
- daß wir das endlich begreifen und akzeptieren müssen - trotz aller
- ethnischen und kulturellen Unterschiede. Aber mein Buch ist natürlich nur
- eine kleine Geste, wenn ich daran denke, wie komplex diese Problematik
- ist und wie schwer es ist, Antworten zu finden."
- América als politisches Buch
- "Es ist kein politisches Buch in dem Sinne, daß es eine Position vetritt, der
- sich die Leute dann anschließen oder die sie verwerfen. Es ist politisch auf
- eine andere Art. Wenn es nur um "die Sache" geht, dann opfern Sie das
- Künstlerische und die Spannung des Buches, um Ihr Anliegen
- rüberzubringen oder um Anhänger zu sammeln. Ich habe América vor allem geschrieben, um mir selber eine Meinung zu bilden. Die habe ich nicht, wenn ich ein Buch anfange zu schreiben. Ich schreibe, um einige
- Hypothesen in Einklang zu bringen und schaue, was dann passiert. Ich
- weiß weder, was von Kapitel zu Kapitel passiert, noch was am Ende dabei
- herauskommt. Es ist wie eine Entdeckungsreise. Deshalb schreibe ich
- auch lieber Romane als - sagen wir mal - Polemiken. Deshalb war das
- Buch auch so umstritten."
- Die Botschaft
- "Delaney (der Held des Buches) ist ein Naturschriftsteller. Die sind
- meistens sehr liberal, bis auf einen Punkt: die Asylfrage. Da sind sie
- reaktionärer als irgendwer. Es gibt heute sechs Millarden Menschen auf der Erde, und wer ist der Feind der Umwelt? Wer verpestet die saubere Luft, verschmutzt das Wasser, rottet Tiere und Pflanzen aus? Das sind wir, die Menschen. Unsere Art. Das ist ein wichtiges Element im Buch, das bisher übersehen wurde. Es herrscht ein unheimlicher Bevölkerungsdruck in allen Industrie-Nationen, nicht nur in den Vereinigten Staaten. England, Deutschland, Frankreich, alle diese Länder erleben einen riesigen Zustrom von Asylsuchenden, und ich frage mich, was das zu bedeuten hat und wie sich das entwickelt. Ich denke, und das wird auch in América deutlich, am Ende verstärken sich weltweit rassistische Tendenzen."
von: http://www.hanser.de/verlag/index.htm
P.S.: Beim Hanser-Verlag findet sich im Autoren-Archiv eine sehr gute Biographie zu Boyle (auf "Verlag" klicken und dann "Boyle" in die Suchmaske eingeben).
Cándido und seine Frau América haben Mexico verlassen, weil sie von einem besseren Leben in Kalifornien träumen. Dort hausen die Illegalen in einer aus Müll erbauten Hütte. Eines Tages wird Cándido von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Der Fahrer flüchtet Delaney Mossbacher hat Angst um seine Karriere.
Fortan steht das Leben beider Männer unter einem schlechten Stern: Cándidos Hütte wird zerstört, jemand klaut seine Ersparnisse, und die schwangere América riskiert ihre Gesundheit bei einer Arbeit mit ätzenden Chemikalien. Währenddessen verliert Delaney seine beiden Hunde, seine Frau Kyra wird bedroht, und in ihrem elitären Wohnpark häufen sich die Überfälle.
Mitreißend und sehr realistisch T.C. Boyle, wie sich die völlig verschiedenen Lebensläufe der beiden Männer immer mehr miteinander verflechten, bis die Geschichte ein unerwartetes Ende nimmt.
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© Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft 1997 ff.- Stand: 11-06-99